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Teilen

Kinder müssen lernen zu teilen. Möglichst ganz früh. Das gehört in unserer Gesellschaft dazu. Meinen wir. Bzw meinen viele. Ist das wirklich so? Lass uns erstmal überlegen, in welchen Situationen WIR Erwachsenen gerne teilen. Geben wir gerne was von unserem Geld ab? Warum nicht? Wir könnten doch jeden Euro, den wir verdienen teilen. Teilen wir regelmäßig unser Essen? Unser Haus? Unser Auto? Unsere Klamotten? Unser Handy? Nicht wirklich. Von den Kindern wird immer verlangt das sie teilen. Ihre Süßigkeiten, ihr Spielzeug. Schließlich müssen sie es lernen. Wenn wir uns jetzt erstmal in die Lage des Kindes versetzen (Perspektivwechsel): "Ich bin 3 Jahre alt und habe Süßigkeiten geschenkt bekommen. Ich habe nicht oft Süßigkeiten. Mama ist da eher streng. Boah…so viele Bonbons. Ich freue mich. Endlich kann ich mal so viel essen wie ich möchte. Die teile ich mir jetzt gut ein. Wer weiß, wann ich wieder so viele Bonbons bekomme." (dieses weiterdenken, wäre für einen drei-jährigen noch viel zu viel erwartet. Das wird das Kind noch gar nicht können. Es geht hier nur ums Beispiel 😉)

Und dann kommt der Junge von nebenan und das Kind soll teilen. Weil man das ja so macht.

Puuhh….ganz schön hart.


Das Kind mit drei weiß noch gar nicht, dass Essen eigentlich immer frei verfügbar ist. Es hat noch nicht das Bewusstsein, dass wir (theoretisch) jederzeit neue Süßigkeiten kaufen und anbieten könnten. Hier kommt jetzt unser Ur-Instinkt ins Spiel.


Dieser sagt nämlich: nimm und behalte alles was du findest.


Das sichert dein Überleben. Wer weiß, wann du wieder etwas bekommst. Und da geht es nicht nur ums Essen. Es geht um alles. Spielsachen, Fahrzeuge, Klamotten usw. Dazu kommt, dass Kinder noch kein Bewusstsein haben, das sie ihre Spielzeuge auch zurückbekommen, und dass sie ihr Eigentum bleiben, wenn andere Kinder damit spielen. Dieses weiterdenken können sie noch nicht. Sie haben also immer Angst, dass sie ihr Sachen für immer weg sind, wenn ein anderes Kind mal damit spielt. Deshalb gibt es auch oft Dramen, wenn mal andere Kinder zu besuch sind. Das muss dir, als Elternteil, nicht unangenehm sein. Das ist ein völlig normales Verhalten. Jetzt ist ja die Frage: wann und wie lernen die Kinder das Teilen denn? 1. durch ihre natürliche Entwicklung 2. wenn sie einen Perspektivwechsel machen können 3.durch vorleben 4. durch positive Erfahrungen So mit vier bis fünf Jahren entwickelt sich die kognitive Leistung des Perspektivwechsels. Sie können sich dann auf einmal in eine andere Person hineinversetzen. "Ich habe zwei Kekse, mein Freund hat gar keinen. Das ist ja blöd." "Oh, das andere Kind ist hingefallen. Das hat bestimmt wehgetan". Bis der Perspektivwechsel abgeschlossen ist, wird es einige Jahre dauern. Wenn wir teilen vorleben, kann es nur hilfreich sein. "Hier hast du einen Keks, ich teile gerne mit dir". Das können wir auch immer mal wieder dazu sagen. "Danke, dass du mit mir teilst". Und ganz wichtig sind positive Erfahrungen. Wenn wir Kinder zum Teilen zwingen, ihnen sogar Spielsachen wegnehmen und die einem anderen Kind geben, wird es wenig unterstützend sein. Wahre die Grenze deines Kindes. Wenn es nicht teilen möchte, muss es nicht. Das kommt von ganz allein, wenn du o.g. Punkte berücksichtigst. Hab keine Angst, sondern steh für dein Kind ein. Jede:r darf selbst entscheiden, ob er / sie teilen möchte. Auch die Kinder. Herzlich, Verena

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